Sie sind hier: Leader > Robert Kuckertz

  • Schrift verkleinern
  • Schrift zurücksetzen
  • Schrift vergrößern

Den Musikgeschmack möglichst vieler Generationen treffen…

ehemaliger Bandleader Robert Kuckertz...wollte Oberstleutnant Robert Kuckertz, der dritte Chef der Big Band der Bundeswehr, mit dem Repertoire des Orchesters treffen. Das bedeutet, dass eine ganze Reihe verschiedener Kriterien bei der Auswahl des musikalischen Programms berücksichtigt werden musste. Hier kamen vor allem - STOP - wir wollen der Reihe nach vorgehen und uns zunächst der Person Robert Kuckertz zuwenden, bevor wir seine musikalischen Pläne mit der Big Band betrachten. Denn normalerweise fängt man seine Musikerlaufbahn ja nicht gleich als Chef eines dreißigköpfigen Orchesters an. Also von vorne:


Erste Begegnung mit 15

Auf der Kölner Domplatte, im Alter von 15 Jahren, hat Robert Kuckertz die Big Band der Bundeswehr zum ersten Mal live erlebt. Total begeistert vom "St. Louis Blues March", den die Big Band damals spielte, entschloss er sich sein Üben zu intensivieren und seine instrumentalen Leistungen zu verbessern. Nicht im Traum hätte er jedoch daran gedacht, 16 Jahre später mit denselben Musikern zusammen zu spielen und als deren Bandleader das Orchester zu leiten. Dennoch gab es für Robert Kuckertz fortan nur das Ziel, Musik oder Kunst zu studieren. Und so bewarb er sich freiwillig beim Militärmusikdienst der Bundeswehr und verpflichtete sich - überzeugt von den Ausbildungsmöglichkeiten – als Zeitsoldat. Es folgte das Kapellmeisterstudium an der Düsseldorfer Robert Schumann-Musikhochschule in den Fächern Klavier, Trompete und Dirigieren. Neben der klassischen Ausbildung widmete sich Kuckertz in dieser Zeit auch Musicalprojekten sowie den Bereichen Jazz, Swing und Tanzmusik.

Sogar dem großen Leonard Bernstein konnte Oberstleutnant Kuckertz während eines Sommerkurses an der State University Northridge in Los Angeles über die Schultern schauen. Doch auch militärische Anteile der Ausbildung, wie z.B. Offizier- und Sanitäts-Lehrgang mussten zunächst erfolgreich absolviert sein, ehe die erste "richtige" musikalische Aufgabe als 2. Offizier im Luftwaffenmusikkorps Karlsruhe auf Robert Kuckertz wartete.


Soldat oder Musiker

Apropos Offizier - ob er sich mehr als Soldat oder als Musiker fühle, möchte ich in diesem Zusammenhang von Robert Kuckertz wissen. Und Kuckertz sagt, dass gerade in der Verbindung beider Berufe – der des Soldaten und des Musikers – der besondere Reiz liege. Denn sein Aufgabengebiet umfasse eben nicht nur den rein musikalischen Verantwortungs-Bereich des Dirigenten eines zivilen Orchesters, sondern schließe auch administrative Aufgaben, wie z.B. die Jahresplanung mit ein. Es komme jedoch schon vor, dass unter dieser Doppelbelastung die kreative Arbeit leide; wenn dafür aber alles - von der Idee und Planung bis zur Durchführung - exakt funktioniere, freue man sich umso mehr.


Wohin führt der Weg

Zwei Fragen, die mich seit meinem ersten Kontakt mit der Big Band der Bundeswehr beschäftigen, sind die musikalische Ausrichtung und die Entwicklungsmöglichkeiten eines Militärorchesters. An dieser Stelle der Unterhaltung kommt Leben in den bisher so ruhig wirkenden Bandleader. "Schade wäre es", so Kuckertz, "wenn sich eine Band mit so vielen Qualitäten nur einer einzigen Stilrichtung verschreiben würde." Zwei Faktoren seien daher von besonderer Bedeutung. Zum einen sollen die Zuhörer nicht den Eindruck gewinnen, die Big Band der Bundeswehr sei lediglich das uniformierte Orchester der Institution Bundeswehr mit einem ebenso uniformen Repertoire. Daher legt Kuckertz besonderen Wert auf die Individualität seiner Musiker. Jedes Instrumentalsolo wird in enger Abstimmung mit dem Musiker speziell auf seine individuellen Fähigkeiten arrangiert. Zum anderen müsse den unterschiedlichen Erwartungen der Konzertbesucher Rechnung getragen werden. Drei Gruppen macht Kuckertz dabei unter den Zuhörern aus: Diejenigen, die von einer Big Band den traditionellen Sound mit den bekannten Swing-Melodien der 30er und 40er Jahre erwarten. Eine Vielzahl von Besuchern der Konzerte erwarte aber auch deutsche Kompositionen, wie z.B. Volkslieder im "Happy Style", die die Band besonders unter Günter Noris prägte. Und eine dritte Gruppe interessiere sich mehr für zeitgemäße moderne Arrangements, die sich nicht nur in der Musik, sondern auch in einer perfekt inszenierten und umgesetzten Bühnenshow ausdrücken. Und zwischen all diesen Erwartungen muss Kuckertz auch immer bemüht sein, der Big Band ein markantes und eigenständiges musikalisches Profil zu verleihen.


Zukunftspläne

Angesprochen auf eine Zukunftsprognose für die Big Band der Bundeswehr stellt Kuckertz fest, dass die Nachfrage nach guter Instrumentalmusik in den Rundfunkhäusern und in den privaten und öffentlich-rechtlichen Medienanstalten größer sein könnte. Kuckertz zeigt sich jedoch optimistisch, dass sich die Arbeit des Big Band-Managements mit dessen Überzeugungskraft für die Musik und die künftigen Produktionen der Big Band schon bald in einem gesteigerten Medieninteresse auswirken könne. Um diese Entwicklung zu unterstützen, setzte die Big Band mit ihrem dritten Bandleader und Chef Robert Kuckertz auf ein perfekt eingespieltes Showprogramm, das dem Publikum nicht nur musikalische, sondern auch optische Vielfalt in Form eines ansprechenden Bühnenshow- Entertainments bietet.


Live- und Studioauftritte

Die Bühnenpräsenz, die seit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten deutlich gestiegen ist, wurde durch die Studiotätigkeit der Band ergänzt. Konkret denkt Kuckertz dabei an zwei unterschiedliche Produktionen. So wurde eine CD produziert, auf der ein bekannter Marsch zu hören ist, der modern instrumentiert und mit den aktuellsten elektronischen Klängen kombiniert sowie mit zeitgemäßen Rhythmen unterlegt wurde. Bei der anderen CD handelt es sich um eine Produktion, bei der ausschließlich Swing-Titel aufgenommen wurden. Bis dahin hatte es bei den Tonaufnahmen der Big Band der Bundeswehr keine gegeben, die sich nur mit dem Thema Swing beschäftigte.

Das Ziel von Oberstleutnant Robert Kuckertz und seiner Big Band der Bundeswehr war es stets, eine zeitgemäße modern klingende Band zu bleiben, welche aber auch die klassische Swing-Tradition früherer Big Bands beherrschen sollte, um auch in Zukunft den Musik-Geschmack möglichst vieler Generationen zu treffen.

Robert Kuckertz verließ die Big Band der Bundeswehr im Oktober 2001 auf eigenen Wunsch und übernahm die Leitung des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden.