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Günter Noris, der Mann der ersten Stunde

ehemaliger Bandleader Günter NorisEr selbst sagte einmal: "Ich bin nur ein Musiker, der hart an sich arbeitet." Ja, und so beschreiben ihn alle, die ihn näher kennen bzw. mit ihm gearbeitet haben. Urteilt man über seine musikalischen Qualitäten, muss man neidlos eingestehen: Günter Noris ist wohl einer der besten auf dem Gebiet der Swing und Popmusik in Deutschland und schon lange international anerkannt...

Zunächst einige Auszüge von der steilen Karriereleiter des Mannes, der den Sound und den Namen der Big Band der Bundeswehr prägte: Bereits mit sechs Jahren spielte der in Bad Kissingen geborene und aufgewachsene Günter auf Vaters Klavier die Tonleiter rauf und runter. Nach seiner Schulzeit wendet er sich dem Studium für Klavier und Kompositionslehre am Bayerischen Staatskonservatorium für Musik in Würzburg zu. Zielstrebig folgt er seinem Motto: "Tags studieren, nachts finanzieren..." So jobbt er abends nach den Vorlesungen und den Unterrichtsstunden als Pianist in einem amerikanischen Soldaten Club. Nach erfolgreichem Abschluss führt ihn sein Werdegang zunächst in die "Helmut Brandt Combo", die im gleichen Jahr zur besten Combo im "Deutschen Jazz-Pool" gewählt wurde.


Als Pianist in Tokio gefeiert

1961 erhält Günter Noris ein Engagement als Pianist, Arrangeur und zusätzlich als stellvertretender Dirigent beim RIAS Tanzorchester unter Werner Müller in Berlin. Weitere entscheidende Meilensteine in der steilen Karriere des Bad Kissingers waren die Japan Tourneen 1966 und 1968, bei der Noris als Pianist in Tokio gefeiert wurde. 1966 begleitet die "Günter Noris-Combo" Hildegard Knef auf ihrer ersten Deutschland Tournee. Im Jahr 1967 wechselt Noris als Pianist, Arrangeur und Bandleader zum WDR nach Köln. Und genau dort passierte das, was man heute "Glücksfall" für die Big Band der Bundeswehr nennt. Günter Noris stellte sich der nicht einfachen Aufgabe, die Idee des damaligen Verteidigungsministers und späteren Kanzlers Helmut Schmidt in die Tat umzusetzen: Ein neuer Sound für eine moderne Armee sollte für die Bundeswehr geschaffen werden. Auch für Noris eine große Herausforderung.


Neuer Big Band Sound

Es folgten mehrere Reisen zu den 20 Musikkorps der Bundeswehr, von Kiel bis Garmisch, mit dem Ziel, geeignete Musiker für den "Big Band Sound" zu finden. Im März 1971 ist es dann soweit, Bandleader Günter Noris geht mit 23 Musikern ins "musikalische Trainingslager" in die Euskirchener Funkkaserne. Noris übt hart mit seinen Schützlingen. Er lobt selten. Es fallen Sätze wie: "Meine Herren, wenn ich nichts sage, war es schon ganz gut... !" Nach monatelanger harter Arbeit stellt sich der Erfolg ein. Der erste Auftritt der neuen "musikalischen Geheimwaffe" der Bundeswehr im Juni 1971 in Bonn trifft voll ins Schwarze. Günter Noris und seine Musiker in Uniform kommen bei Presse und Publikum prima an. Die Erwartungen von Ex Minister Schmidt sind bei weitem übertroffen. Originalton Schmidt zur damals noch "Schauorchester der Bundeswehr" genannten Band: "Das Orchester erinnert in seiner Besetzung an Glenn Miller. Es trifft mit jedem Ton die Stimmungslage und die Erwartungen der heutigen Soldatengeneration..."


Stars in Uniform erobern das Publikum

Nach den ersten Fernsehauftritten war es auch den Größen im deutschen Showbusiness klar: Günter Noris und seine "uniformierten Jungs" sind buchstäblich auf dem Markt der Pop und Big Band Musik eingeschlagen, und zwar mit einer Wirkung weit über die Grenzen der Kasernenanlagen hinaus. Ob Kanzlerfest oder Presseball, Jugend Dancings oder Konzerte für einen guten Zweck, kaum eine Veranstaltung, bei der das junge Orchester nicht schon bald den Ton angibt. 1972 präsentiert Noris die erste LP mit dem Titel "Stars in Uniform" einem breiten Publikum. Ständig arbeitet der engagierte Bandleader mit Perfektionismus an der Qualität der Auftritte seines Orchesters. Spricht man heute mit Günter Noris über seine Zeit mit der Big Band der Bundeswehr, hört man unschwer heraus, dass der Weg zum Erfolg mit diesem Orchester nicht immer eben und einfach war. Denn zunächst musste man auch in Kreisen des Militärs für den bereits erwähnten "neuen Big Band Sound" Platz neben der schon immer existenten Militärmusik schaffen, was den "älteren Militärs" nicht immer ganz recht war.


1979 großer Erfolg in Nordamerika

Einen großen Erfolg feierte Noris bei der 1979 stattfindenden USA / Kanada Tournee, zu welcher der damalige US Präsident Jimmy Carter einlud. Eine der Headlines der Tageszeitung "EI-Paso-Times" machte ihn und das Orchester nach einem Konzert in der texanischen Wüstenstadt El Paso zu "musikalischen Ehrenbürgern". Der größte Erfolg ist die Auszeichnung mit dem Deutschen Schallplattenpreis, den Noris und die Big Band der Bundeswehr 1979 für die LP: "Die Tanzplatte des Jahres 1979" erhielt. Erstmals in der Geschichte dieses Preises wurde damit ein uniformiertes deutsches Orchester gekürt, und zwar in der Sparte: "Moderne Tanzmusik". 1983 geht die Ära Noris bei der Big Band der Bundeswehr plötzlich und unerwartet zu Ende. Aus verschiedenen Gründen kündigt Günter Noris seinen freien Mitarbeitervertrag mit der Bundeswehr. Was aus 12 Jahren Big Band der Bundeswehr und Günter Noris bis heute geblieben ist, ist der nachhallende Spitzenruf, den er den Musikern in Uniform mit auf den Weg gegeben hat.

Günter Noris verstarb am 27. November 2007 in seinem langjährigen Wohnort Kerpen-Horrem.